Moderationsmethoden und die Rolle des Moderators

Wenn es um das The­ma Mode­ra­ti­on geht, so sind zunächst eini­ge Unter­schei­dun­gen wichtig:

  1. Die Mode­ra­ti­on von klei­ne­ren Grup­pen (bspw. Teams oder Füh­rungs­kräf­terun­den) unter­schei­det sich metho­disch von der Mode­ra­ti­on grö­ße­rer Grup­pen. Die Gren­ze ver­läuft flie­ßend zwi­schen ca. zehn und ca. zwan­zig Per­so­nen. Es kann also Grup­pen mit 15 Per­so­nen geben, für die durch­aus eine Groß­grup­pen­va­ri­an­te in Fra­ge kom­men, und es kann Grup­pen mit 20 Per­so­nen geben, die noch ganz pro­zess­haft von einem Mode­ra­tor gelei­tet werden.
  2. Pri­mä­re Auf­ga­be der Mode­ra­to­rin ist es, den Pro­zess aus einer neu­tra­len Rol­le her­aus zu struk­tu­rie­ren und gege­be­nen­falls zu füh­ren. »Gege­be­nen­falls« des­halb, weil es hin­sicht­lich des Pro­zess- und des Füh­rungs­aspek­tes unter­schied­li­che Arten von Mode­ra­tio­nen gibt. Auf der einen Sei­te des Spek­trums fin­det man bei­na­he rein pro­zess­ori­en­tier­te Vari­an­ten, in denen der Mode­ra­tor ledig­lich für Visua­li­sie­rung, gele­gent­li­che Zusam­men­fas­sung sowie für die Steue­rung von Wort­mel­dungs­häu­fig­keit und Rede­zeit­ver­tei­lung ver­ant­wort­lich ist. Die zu bear­bei­ten­den Fra­gen wer­den von der Grup­pe bestimmt; die Mode­ra­to­rin sorgt für die Ein­hal­tung eini­ger weni­ger Regeln (bspw. »Es gibt kein Rich­tig oder Falsch.« oder »Alles, was wich­tig ist, muss auf­ge­schrie­ben wer­den.«) und greift in den Pro­zess nur durch metho­di­sche Hin­wei­se, Nach­fra­gen, Zusam­men­fas­sen und Erwei­te­rung der Per­spek­ti­ven­viel­falt (»Sie haben jetzt lan­ge nichts gesagt. Darf ich fra­gen…«) ein. Man kann die­se Hal­tung am Ehes­ten mit »nach­steu­ern« cha­rak­te­ri­sie­ren. Am ande­ren Ende des Spek­trums fin­den sich rela­tiv star­re Ablauf­mo­del­le für bestimm­te The­men (bspw. die Mode­ra­ti­on einer Sit­zung im Rah­men eines Kon­ti­nu­ier­li­chen Ver­bes­se­rungs­pro­zes­ses oder die Mode­ra­ti­on einer SWOT-Ana­ly­se) oder For­men von Mode­ra­ti­on (bspw. die Lei­tung einer Mediationssitzung).
  3. Je ver­wor­re­ner oder kon­flikt­haf­ter eine Aus­gangs­la­ge ist, des­to geeig­ne­ter erschei­nen for­ma­le­re Mode­ra­ti­ons­set­tings und ‑sti­le. Die Fer­tig­keit, eben­so all­par­tei­lich wie kon­se­quent bei der Rol­le der Mode­ra­to­rin zu blei­ben und auf die Ein­hal­tung der für die Metho­de gel­ten­den bzw. jeweils aus­ge­han­del­ten Regeln zu bestehen, muss erlernt und gut ein­ge­übt wer­den, und ist der wahr­schein­lich wich­tigs­te Aspekt jeder Moderation.
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Von Jörg Heidig

Jörg Heidig, Jahrgang 1974, nach Abitur und Berufsausbildung in der Arbeit mit Flüchtlingen zunächst in Deutschland und anschließend für mehrere Jahre in Bosnien-Herzegowina tätig, danach Studium der Kommunikationspsychologie, anschließend Projektleiter bei der Internationalen Bauausstellung in Großräschen, seither als beratender Organisationspsychologe, Coach und Supervisor für pädagogische Einrichtungen, soziale Organisationen, Behörden und mittelständische Unternehmen tätig. 2010 Gründung des Beraternetzwerkes Prozesspsychologen; seit 2016 Leitung des Görlitzer KIB-Instituts. Lehraufträge an der Hochschule der Sächsischen Polizei, der Dresden International University, der TU Dresden sowie der Hochschule Zittau/Görlitz.