Zufriedenheit ist nicht das Gegenteil von Unzufriedenheit…

…son­dern bei­de Begrif­fe bil­den von­ein­an­der unab­hän­gi­ge Dimen­sio­nen: Das bedeu­tet, dass jemand bei der Arbeit oder mit sei­nem Stu­di­um zwar nicht unzu­frie­den, gleich­zei­tig aber auch nicht zufrie­den sein kann. Viel­leicht ken­nen Sie jenen Grau­ton, mit dem man sei­nen All­tag beschrei­ben wür­de, wenn man selbst davon betrof­fen ist – man ist dann nicht unzu­frie­den genug, um etwas zu ändern, gleich­zei­tig ist man aber ganz und gar nicht zufrie­den. Die zen­tra­le Erkennt­nis die­ser Moti­va­ti­ons­theo­rie von F. Herz­berg lau­tet, dass es völ­lig ver­schie­de­ne Din­ge sind, die einer­seits weni­ger unzu­frie­den machen (Arbeits­zeit­re­ge­lun­gen, Ver­gü­tung, Urlaubs­an­spruch) und ande­rer­seits für mehr Zufrie­den­heit (Aner­ken­nung, Sta­tus, Wert­schät­zung, Ver­ant­wor­tung) sor­gen. Wert­schät­zung, Aner­ken­nung und ein fei­nes Gefühl für den grup­pen­in­ter­nen Sta­tus bei klei­ne­ren Grup­pen sind daher wich­ti­ge Kom­pe­ten­zen für einen Lehr­stil, der den Men­schen und die Ent­wick­lung sei­ner Pro­blem­lö­se­fä­hig­kei­ten mehr in den Mit­tel­punkt rückt als die Erfül­lung stan­dar­di­sier­ter Leistungsvorgaben.

Von Jörg Heidig

Jörg Heidig, Jahrgang 1974, nach Abitur und Berufsausbildung in der Arbeit mit Flüchtlingen zunächst in Deutschland und anschließend für mehrere Jahre in Bosnien-Herzegowina tätig, danach Studium der Kommunikationspsychologie, anschließend Projektleiter bei der Internationalen Bauausstellung in Großräschen, seither als beratender Organisationspsychologe, Coach und Supervisor für pädagogische Einrichtungen, soziale Organisationen, Behörden und mittelständische Unternehmen tätig. 2010 Gründung des Beraternetzwerkes Prozesspsychologen; seit 2016 Leitung des Görlitzer KIB-Instituts. Lehraufträge an der Hochschule der Sächsischen Polizei, der Dresden International University, der TU Dresden sowie der Hochschule Zittau/Görlitz.