Wenn ein Kommunikationsproblem weniger mit Kommunikation, sondern mehr mit Klarheit in der Organisation zu tun hat

Vor Kur­zem hat­te ich die Freu­de, mit dem Steue­rungs­team eines sehr gro­ßen Pro­jek­tes zu arbei­ten. Ich hat­te schon län­ge­re Zeit kei­ne so kom­ple­xen Zusam­men­hän­ge vor der Nase: Betei­lig­te aus vie­len Orga­ni­sa­tio­nen, Unter­neh­men und Ver­wal­tungs­ein­hei­ten aus meh­re­ren Län­dern; nicht meh­re­re, son­dern wirk­lich zig Mil­lio­nen Euro Umfang — und alles soll am bes­ten „ges­tern“ funk­tio­nie­ren. Weder will noch darf ich Ross und Rei­ter nen­nen, aber als ich eine Wei­le zuge­hört hat­te, dach­te ich: Das ist irgend­was zwi­schen dem Bau einer Chip­fa­brik und der Erstel­lung eines gesamt­eu­ro­päi­schen Zugfahrplans.

Das Team hat­te sich bereits vor unse­rem Work­shop ziem­lich aus­führ­lich mit sei­ner eige­nen Arbeit beschäf­tigt. Es gab eine inter­ne Ana­ly­se, und wenn man sich die­se Ana­ly­se ansah, ergab sich fol­gen­des Bild: Ein Teil der Mit­ar­bei­ter sag­te, es wer­de zu wenig geführt. Die Füh­rung wie­der­um sah Schwie­rig­kei­ten bei der Ver­bind­lich­keit von Abspra­chen und in der Kom­mu­ni­ka­ti­on. Auf­ga­ben wur­den ver­ein­bart, aber nicht immer erle­digt. Oder sie wur­den zu spät erle­digt. In man­chen Fäl­len wuss­te nie­mand so genau, wie weit die Bear­bei­tung eigent­lich war. Es gab Ver­ant­wort­lich­kei­ten, aber die­se Ver­ant­wort­lich­kei­ten waren nicht über­all hin­rei­chend klar. Es gab Bespre­chun­gen, ohne dass aus die­sen Bespre­chun­gen immer ein ver­läss­li­cher Steue­rungs­pro­zess entstand.

Man könn­te sol­che Pro­ble­me unter dem Begriff „Kom­mu­ni­ka­ti­on“ zusam­men­fas­sen, und man wür­de nichts falsch machen. Das geschieht in Orga­ni­sa­tio­nen häu­fig: Wenn irgend­et­was nicht funk­tio­niert, wird irgend­wann fest­ge­stellt, dass man „bes­ser kom­mu­ni­zie­ren“ müs­se. Das ist fast immer rich­tig — und fast genau so oft ziem­lich nutzlos.

Denn die hilf­rei­che Fra­ge lau­tet oft nicht: „Wie kön­nen wir bes­ser kommunizieren?“

Hilf­reich sind eher fol­gen­de Fragen:

  • Wer muss eigent­lich mit wem wor­über reden?
  • Wer ent­schei­det was?
  • Wer ist für was verantwortlich?
  • Bis wann muss etwas erle­digt sein?
  • Wer stellt fest, ob es erle­digt wurde?
  • Und was pas­siert, wenn es nicht erle­digt wurde?
  • Wie stel­len wir sicher, dass wir regel­mä­ßig dar­über reden, wie es läuft, was gut läuft, was bes­ser lau­fen kann usw.?

Dann ist man nicht bei Kom­mu­ni­ka­ti­on, son­dern bei Klar­heit in der Orga­ni­sa­ti­on, bei Struk­tu­ren, Rol­len, Pro­zes­sen, Mee­tings. Das war in die­sem Fall der ent­schei­den­de Ansatzpunkt.

Ich habe des­halb in dem Work­shop nicht ver­sucht, die Betei­lig­ten irgend­wie „bes­ser“ mit­ein­an­der reden zu las­sen. Wir haben statt­des­sen ange­fan­gen, Ord­nung in die Struk­tur zu brin­gen. Die ent­schei­den­de metho­di­sche Idee kam dabei aus dem Team selbst. Eine Mit­ar­bei­te­rin schlug vor, die Manage­ment­struk­tur von Groß­pro­jek­ten auf die eige­ne Orga­ni­sa­ti­on anzu­wen­den. Das war die zün­den­de Idee.

Woher ich wuss­te, dass es nicht an der Kom­mu­ni­ka­ti­on lag, son­dern an Ord­nung in den Struk­tu­ren und Abläu­fen? Ich ver­las­se mich einer­seits natür­lich auf das, was die Betei­lig­ten sagen. Sie sind ja die Exper­tin­nen und Exper­ten für ihre Arbeit. Gleich­wohl weiß ich, dass das, was man für das Pro­blem hält, oft nicht das eigent­li­che The­ma ist. Die Kom­mu­ni­ka­ti­on ist oft genug ein Sym­ptom — das aus Gewohn­hei­ten resul­tiert. Jede Orga­ni­sa­ti­on hat sich eine bestimm­te Art des Arbei­tens, des Umgangs mit­ein­an­der, des Erle­di­gens von Auf­ga­ben usw. ange­wöhnt. Gewohn­hei­ten sind schwer hin­ter­frag­bar, aber sie sind in der Regel die Ant­wort auf die Fra­ge, wie die Orga­ni­sa­ti­on bis­her Pro­ble­me gelöst hat. Wenn man nur an der Kom­mu­ni­ka­ti­on anset­zen wür­de, wür­de das zwar als Semi­nar als „hilf­reich“ erlebt wer­den — weil die Kom­mu­ni­ka­ti­on in der künst­li­chen Semi­nar-Situa­ti­on ja tat­säch­lich als „bes­ser“ erlebt wür­de, aber es wür­de nichts hel­fen, weil es ab dem kom­men­den Mon­tag so wei­ter­gin­ge wie vor­her — Gewohn­hei­ten eben. Also fra­ge ich nach Struk­tu­ren, Abläu­fen, Rol­len­klar­hei­ten und ‑unklar­hei­ten, Kon­flik­ten. Und oft genug — um nicht zu sagen: fast immer — wer­de ich damit fündig.

Was ange­sichts der Dimen­sio­nen eines sol­chen Pro­jek­tes „banal“ klin­gen mag, ist in der Pra­xis alles ande­re als banal. Natür­lich kann­ten sich die Betei­lig­ten mit Groß­pro­jek­ten aus — aber sie waren, wie es oft ist, in ihren Rol­len und Auf­ga­ben so enga­giert, dass sie gemein­sam ver­ges­sen hat­ten, auf ihre Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren zu schau­en. Wie oft sagen Füh­rungs­kräf­te, dass sie kei­ne Zeit haben? Im Prin­zip wis­sen sie alles — aber neh­men sich im Pro­jekt­all­tag nicht die not­wen­di­ge Zeit, ihre Struk­tu­ren, Abläu­fe und Gewohn­hei­ten zu hinterfragen.

In jedem Flur steht ein unsicht­ba­res Hams­ter­rad: Es wird gemacht, was drin­gend ist, und man ver­liert den Blick dafür, was eigent­lich wich­tig wäre, aber nicht so drin­gend ist. Genau dar­in besteht aber Füh­rung und Ver­bes­se­rung bzw. Wei­ter­ent­wick­lung: das zu tun, was eigent­lich wich­tig, aber nicht drin­gend ist.

Der Ansatz lag dar­in, uns Zeit zu neh­men und anzu­schau­en, wie Groß­pro­jek­te orga­ni­siert wer­den — und anhand die­ser Logik die vor­han­de­ne Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tur, die Rol­len, Ver­ant­wort­lich­kei­ten, Pro­zes­se und Bespre­chungs­struk­tu­ren zu reflek­tie­ren. Wir haben nicht an der Kom­mu­ni­ka­ti­on gear­bei­tet, son­dern Ord­nung gemacht. Dabei wur­de rela­tiv schnell deut­lich, an wel­chen Stel­len etwas fehlte.

Orga­ni­sa­tio­nen bestehen, etwas ver­ein­facht gesagt, aus meh­re­ren Ebenen:

Zunächst gibt es die eigent­li­che Arbeit. Irgend­je­mand muss etwas orga­ni­sie­ren, pla­nen, ent­schei­den, beschaf­fen, berech­nen, bear­bei­ten, trans­por­tie­ren und so wei­ter. Jedes Unter­neh­men, jede Orga­ni­sa­ti­on hat einen Zweck, wes­halb die Orga­ni­sa­ti­on über­haupt exis­tiert — und die­se kon­kre­ten Tätig­kei­ten sind not­wen­dig, damit der Zweck der Orga­ni­sa­ti­on erreicht wird.

Dann gibt es eine Struk­tur. Es gibt Men­schen mit bestimm­ten Auf­ga­ben und Ver­ant­wort­lich­kei­ten. Es gibt eine Hier­ar­chie oder zumin­dest irgend­ei­ne Form der Glie­de­rung von Ver­ant­wor­tung. Die Struk­tur ist meis­tens in Berei­che geglie­dert, wodurch es zwangs­läu­fig Schnitt­stel­len zwi­schen die­sen Berei­chen gibt. Zunächst wird bspw. etwas geplant, dann wird beschafft und bereit­ge­stellt, umge­setzt oder ver­ar­bei­tet usw.

Die­se struk­tu­rel­le Ebe­ne ist wich­ti­ger, als man manch­mal glaubt. Eine Rol­le besteht aus Erwar­tun­gen. Die Erwar­tun­gen resul­tie­ren aus dem Zweck der Orga­ni­sa­ti­on. Je kla­rer eine Rol­le defi­niert ist, des­to kla­rer ist nicht nur, was die betref­fen­de Per­son tun soll, son­dern im Ide­al­fall auch, was ande­re Men­schen von der Per­son erwar­ten kön­nen, die die betref­fen­de Rol­le innehat.

Wenn die­se Erwar­tun­gen unklar sind, ent­steht ein Teil der Kom­mu­ni­ka­ti­on über­haupt erst des­halb, weil die Struk­tur nicht aus­rei­chend geklärt ist.

„Unter“ oder „in“ der Struk­tur gibt es Pro­zes­se — also was eigent­lich in wel­cher Rei­hen­fol­ge geschieht, wie die ein­zel­nen Tätig­kei­ten oder Schrit­te ange­ord­net sind. Was ist Schritt eins? Was ist Schritt zwei? Wer über­nimmt danach? Wo wird etwas frei­ge­ge­ben? Wer braucht wel­che Infor­ma­tio­nen? An wel­cher Stel­le müs­sen zwei Berei­che zusammenarbeiten?

Schließ­lich braucht eine Orga­ni­sa­ti­on einen Mecha­nis­mus, mit dem sie sich selbst beob­ach­tet und im Ide­al­fall ver­bes­sert. Genau die­ser Mecha­nis­mus wird mei­nes Erach­tens häu­fig unter­schätzt. Eine Orga­ni­sa­ti­on kann Auf­ga­ben ver­tei­len. Sie kann Zustän­dig­kei­ten defi­nie­ren und Bespre­chun­gen durch­füh­ren. Das alles nützt ihr aber wenig, wenn sie kei­nen ver­läss­li­chen Über­blick dar­über besitzt, was aus ihren eige­nen Ent­schei­dun­gen gewor­den ist. Des­halb braucht es Rück­kopp­lung und Monitoring.

In unse­rem Fall haben wir einen sol­chen Moni­to­ring­me­cha­nis­mus auf­ge­baut: Mei­len­stei­ne wer­den kon­kre­ti­siert und her­un­ter­ge­bro­chen. Dar­aus ent­ste­hen Zie­le und Arbeits­pa­ke­te. Für die­se Arbeits­pa­ke­te gibt es Zustän­dig­kei­ten, Zeit­fens­ter und Abhän­gig­kei­ten. In fest­ge­leg­ten Abstän­den wird geprüft, wo die ein­zel­nen Auf­ga­ben­er­le­di­gun­gen stehen.

Das klingt zunächst, wie gesagt, ziem­lich „banal“. Aber wenn man „drin­steckt“, ist es nicht banal. Man macht sei­nen Job, so gut man ihn machen kann. Man denkt im All­tag mit zu vie­len Auf­ga­ben nicht gleich­zei­tig dar­über nach, wie man den Job bes­ser machen könn­te — es sei denn, man hät­te einen geplan­ten Anlass und ein geplan­tes Zeit­fens­ter dafür.

Hin­zu kommt, dass man auf die Idee kom­men müss­te, ande­re um Feed­back zu bit­ten. Klar, Feed­back ist wert­voll, da wer­den alle zustim­men — aber wer geht von sich aus zu einem Mit­ar­bei­ter oder einer Mit­ar­bei­te­rin, von der er glaubt, dass sie ihn nicht „in die Pfan­ne hau­en“ wird, und bit­tet sie ein­mal in der Woche für 30 Minu­ten um Feed­back? Klar kann dadurch bes­ser wer­den. Aber wer kommt im All­tag auf sowas? „Ich habe kei­ne Zeit“, lau­tet die Ant­wort, die ja in den aller­meis­ten Fäl­len auch zutrifft.

Wenn eine Auf­ga­be bis Frei­tag erle­digt wer­den soll, braucht die Orga­ni­sa­ti­on jeman­den, der am Frei­tag oder kurz danach weiß, ob sie tat­säch­lich erle­digt wur­de. Ist sie nicht erle­digt wor­den, ent­steht dar­aus die nächs­te Füh­rungs­auf­ga­be.

Viel­leicht gab es einen Kon­flikt. Viel­leicht fehl­te eine Zulie­fe­rung. Viel­leicht war die Prio­ri­tät unklar. Viel­leicht hat jemand schlicht eine Auf­ga­be nicht erle­digt. Viel­leicht war die Arbeits­be­las­tung zu hoch.

Das muss klar werden.

Muss etwas neu prio­ri­siert wer­den? Braucht es ein Ein­zel­ge­spräch? Muss ein Kon­flikt geklärt wer­den? Muss eine Res­sour­ce anders ver­teilt wer­den? Muss ein Ter­min ver­än­dert werden?

Wenn man dafür eine Rou­ti­ne (= Gewohn­heit) hat, ent­steht ein Kreis­lauf: Man plant. Man ent­schei­det. Man arbei­tet. Man über­prüft. Man stellt Abwei­chun­gen fest. Man reagiert auf die­se Abwei­chun­gen, ord­net neu. Danach beginnt der Kreis­lauf von vorn.

In einer „idea­len“ Orga­ni­sa­ti­on ist das selbst­ver­ständ­lich. Es gibt eine Pla­nung. Dar­aus erge­ben sich Auf­ga­ben und Arbeits­schrit­te. In „schnell­dre­hen­den“ Fabri­ken wird beim Schicht­wech­sel — in „lang­sa­me­ren“ Orga­ni­sa­tio­nen nach einer bestimm­ten Zeit — fest­ge­stellt, was erreicht wur­de. Zudem schaut man sich an, was nicht erreicht wur­de und war­um. Anschlie­ßend wird nachgesteuert.

Was in Fabri­ken „exis­ten­ti­ell“ ist, ist auch außer­halb von Fabri­ken im Grun­de nicht anders, nur dass man eben weni­ger dar­an gebun­den ist — oder doch, bei­spiels­wei­se im Kran­ken­haus oder im Ret­tungs­dienst oder bei der Feu­er­wehr. Wo kämen wir hin, wenn die 24-Stun­den-Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen nicht per­ma­nent aus­wer­ten wür­den, was gut gelau­fen ist, und was beim nächs­ten Mal bes­ser lau­fen kann?

Wir haben des­halb im Work­shop zunächst das Orga­ni­gramm geklärt, anschlie­ßend Rol­len geschärft und einen Moni­to­ring­me­cha­nis­mus auf­ge­baut. Wir haben die Rol­le des Pro­jekt­ma­nage­ments kon­kre­ti­siert, Teil­pro­jekt­ver­ant­wort­lich­kei­ten genau­er bestimmt und Quer­schnitts­auf­ga­ben neu defi­niert. Danach haben wir uns Pro­zes­se ange­se­hen: Bud­ge­tie­rungs­pro­zes­se, Ent­schei­dungs­pro­zes­se und schließ­lich die Besprechungsstruktur.

Ent­schei­dend ist dabei nicht eine ein­zel­ne Bespre­chung. Ent­schei­dend ist die Ver­bin­dung zwi­schen Struk­tur, Rol­len und Abläu­fen durch einen Monitoring-Prozess.

Aus Zie­len ent­ste­hen Auf­ga­ben. Auf­ga­ben haben Ver­ant­wort­li­che und Ter­mi­ne. Der Bear­bei­tungs­stand wird fest­ge­stellt. Pro­ble­me wer­den zurück­ge­mel­det. Die Pro­jekt­lei­tung ent­schei­det, was mit die­sen Pro­ble­men geschieht. Danach wer­den neue Ent­schei­dun­gen wie­der in die Orga­ni­sa­ti­on zurückgegeben.

Eine Orga­ni­sa­ti­on braucht sol­che Kreisläufe.

Inter­es­sant war für mich in die­sem Work­shop Fol­gen­des: Als ich die vor­an­ge­gan­ge­nen inter­nen Ana­ly­sen gele­sen hat­te, hat­te ich rela­tiv früh gesagt, dass ich dar­in durch­aus ein Füh­rungs­pro­blem sehe. Das wur­de vehe­ment bestrit­ten, denn „Füh­rungs­pro­blem“ klingt schnell so, als wür­de man ein­zel­nen Füh­rungs­kräf­ten vor­wer­fen, ihren Job nicht zu beherr­schen. Dem war kei­nes­wegs so, und den­noch klang die inter­ne Ana­ly­se genau danach. Wenn Mit­ar­bei­ter sagen, dass ihnen ver­bind­li­che Vor­ga­ben feh­len, wenn Abspra­chen nicht zuver­läs­sig umge­setzt wer­den und wenn die Orga­ni­sa­ti­on kei­nen aus­rei­chen­den Mecha­nis­mus besitzt, auf Nicht­er­le­di­gung zu reagie­ren, dann befin­det man sich zwangs­läu­fig auch auf dem Gebiet von Führung.

Die inter­es­san­te Schwie­rig­keit bestand dar­in, dass das Team sei­ne Pro­ble­me ziem­lich gut beschrei­ben konn­te. Nur kam es aus der Pro­blem­be­schrei­bung nicht her­aus. Das ist ein Zustand, den ich in Orga­ni­sa­tio­nen häu­fig erle­be. Die Betei­lig­ten wis­sen erstaun­lich genau, was nicht funk­tio­niert. Sie kön­nen stun­den­lang dar­über spre­chen. Jeder kennt Bei­spie­le. Jeder kennt die Geschich­te der Probleme.

Sol­cher­lei Erör­te­rung erzeugt aber noch kei­ne Lösung. Die Mode­ra­ti­on von Team­klau­su­ren oder Kon­flikt­klä­run­gen besteht des­halb für mich nicht nur dar­in, Men­schen Raum zum Reden zu geben. Manch­mal besteht sie dar­in, eine Grup­pe ziem­lich ener­gisch dazu zu brin­gen, den nächs­ten gedank­li­chen Schritt zu gehen.

Aus „Was funk­tio­niert nicht?“ muss irgend­wann „Was müss­te statt­des­sen pas­sie­ren?“ wer­den. Und aus „Was müss­te statt­des­sen pas­sie­ren?“ muss irgend­wann eine kon­kre­te Orga­ni­sa­ti­ons­ent­schei­dung werden.

Wer macht was? Bis wann? Wer über­prüft es? Und was geschieht, wenn es nicht passiert?

An die­sem Punkt wird aus Kom­mu­ni­ka­ti­on Orga­ni­sa­ti­on. Und häu­fig wird genau dort aus einer „guten Dis­kus­si­on“ erst­mals „tat­säch­li­che Veränderung“.

Am Ende geht es in einer Orga­ni­sa­ti­on pri­mär dar­um, einen Zweck zu rea­li­sie­ren, eine Auf­ga­be zu erfül­len, eine Dienst­leis­tung zu erbrin­gen, ein Pro­dukt her­zu­stel­len, hilf­reich zu sein — oder was auch immer. Die­sem Zweck ord­net sich alles unter. Was in der Orga­ni­sa­ti­on pas­siert, soll auf den Zweck „ein­zah­len“. Kom­mu­ni­ka­ti­on ist dabei kein Selbst­zweck, son­dern genau­so eine Funk­ti­on der Orga­ni­sa­ti­on wie Struk­tu­ren und Pro­zes­se. Oft redu­zie­ren sich die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­ble­me erheb­lich, wenn erst ein­mal Klar­heit und Ord­nung geschaf­fen sind. Frei­lich blei­ben Din­ge wie Per­sön­lich­keits­ei­gen­schaf­ten und Tem­pe­ra­ment, wider­sprüch­lich for­mu­lier­te Auf­ga­ben und Über­las­tung, schlecht mode­rier­te Bespre­chun­gen, in denen alles Mög­li­che bespro­chen wird, nur nicht das, was wich­tig wäre — und so wei­ter. Aber wenn in Struk­tu­ren, Rol­len und Abläu­fen erst­mal Ord­nung ist, las­sen sich die ande­ren — und damit auch die kom­mu­ni­ka­ti­ven — Pro­ble­me viel leich­ter fas­sen und genau­er bestimmen.

Jörg Hei­dig

Von Jörg Heidig

Dr. Jörg Heidig, Jahrgang 1974, ist Organisationspsychologe, spezialisiert vor allem auf Einsatzorganisationen (Feuerwehr: www.feuerwehrcoach.org, Rettungsdienst, Polizei) und weitere Organisationsformen, die unter 24-Stunden-Bedingungen funktionieren müssen (bspw. Krankenhäuser, Pflegeheime, viele Fabriken). Er war mehrere Jahre im Auslandseinsatz auf dem Balkan und hat Ende der 90er Jahre in Görlitz bei Herbert Bock (https://de.wikipedia.org/wiki/Herbert_Bock) Kommunikationspsychologie studiert. Er schreibt regelmäßig über seine Arbeit (www.prozesspsychologen.de/blog/) und hat eine Reihe von Büchern veröffentlicht, darunter u.a. "Gesprächsführung im Jobcenter" oder "Die Kultur der Hinterfragung: Die Dekadenz unserer Kommunikation und ihre Folgen" (gemeinsam mit Dr. Benjamin Zips: www.kulturderhinterfragung.de). Dr. Heidig lebt in der Lausitz und begleitet den Strukturwandel in seiner Heimat gemeinsam mit Stefan Bischoff von MAS Partners mit dem Lausitz-Monitor, einer regelmäßig stattfindenden Bevölkerungsbefragung (www.lausitz-monitor.de). In jüngster Zeit hat Jörg Heidig gemeinsam mit Viktoria Klemm und ihrem Team im Landkreis Görlitz einen Jugendhilfe-Träger aufgebaut. Dr. Heidig spricht neben seiner Muttersprache fließend Englisch und Serbokroatisch sowie etwas Russisch. Er ist häufig an der Landesfeuerwehrschule des Freistaates Sachsen in Nardt tätig und hat viele Jahre Vorlesungen und Seminare an verschiedenen Universitäten und Hochschulen gehalten, darunter an der Hochschule der Sächsischen Polizei und an der Dresden International University. Sie erreichen Dr. Heidig unter der Rufnummer 0174 68 55 023 sowie per Mail unter heidig@prozesspsychologen.de.