Mikroexpressionen, Körpersprache und das Prinzip der Basislinie — Warum „Lügen erkennen“ ohne Selbstreflexion und Vergleichsgrundlage Unsinn ist

Vie­le Men­schen wol­len Kör­per­spra­che lesen wie ein Buch: Kör­per­ab­stand ver­grö­ßert, Blick abge­wandt, Arme ver­schränkt – und schon glaubt jemand, er wüss­te, was los ist.

Wenn es so ein­fach wäre, müss­ten wir uns damit nicht beschäf­ti­gen. War­um also bleibt „Kör­per­spra­che“ immer auch ein gewis­ses „Rät­sel“? Weil die Sache so kom­plex ist, dass es lan­gen Ler­nens bedarf — und ich mir auch dann nie­mals „sicher“ sein kann, son­dern höchs­tens über „Hin­weis­rei­ze“ verfüge.

Selbst die­se Hin­weis­rei­ze kön­nen mir nur Ori­en­tie­rung geben für wei­te­re Beob­ach­tun­gen und Fra­gen. Kei­nes­wegs dür­fen mich mei­ne Annah­men dazu ver­lei­ten, mei­nen eige­nen Hypo­the­sen auf den Leim zu gehen oder gar mei­nen „Ver­dacht“ preis­zu­ge­ben, indem ich mir plötz­lich all­zu sicher bin und das durch mein Ver­hal­ten ver­ra­te — denn dann fra­ge oder hand­le ich ggf. nicht mehr offen — und bin auch nicht mehr offen für die Opti­on, dass es auch ganz anders sein könnte.

Alles, was wir hier sagen, kann zu gewis­sen Annä­he­run­gen oder Ori­en­tie­run­gen füh­ren. Es ist mehr eine „Beob­ach­tungs­an­lei­tung“ für die Ver­bes­se­rung der eige­nen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­kei­ten als ein Leit­fa­den, wie man „Lügen ent­larvt“ oder ähn­li­ches. Im Grun­de soll­te man immer offen blei­ben und die eige­ne „Land­kar­te“ ver­voll­stän­di­gen — um dann auf mög­lichst brei­ter Grund­la­ge zu Schluss­fol­ge­run­gen zu kommen.

Es geht in den meis­ten Gesprä­chen ja kei­nes­wegs dar­um, das Gegen­über zu bewer­ten, son­dern es geht dar­um, gemein­sam Lösun­gen zu fin­den, etwas zu klä­ren, ggf. auch ein­mal schwie­ri­ge Din­ge zu bespre­chen o.ä. Des­halb soll­te ich kei­ne „Urtei­le“ fäl­len (und wenn ich das muss, dann eben erst am Ende und nicht schon mit­ten­drin), son­dern mir immer auch sol­che Fra­gen stellen:

  • Wie könn­te man auch anders über die Situation/das Gespräch denken?
  • Was weiß ich ggf. noch nicht?
  • Was will mein Gegen­über ggf. tatsächlich?
  • Wel­che Optio­nen habe ich?

Nach die­sen ein­lei­ten­den Betrach­tun­gen nun kon­kre­ter zum The­ma Kör­per­spra­che: Das Pro­blem ist, dass die meis­ten Deu­tun­gen ohne Grund­la­ge pas­sie­ren. Ohne Ver­gleichs­grund­la­ge bleibt aber alles nur Pro­jek­ti­on: Man sieht nicht den ande­ren. Man sieht die eige­ne Annah­me, den eige­nen Ver­dacht, man sieht das, was man schon weiß. Man erkennt in einem Gespräch zum Bei­spiel ein Mus­ter, das man schon öfter gese­hen hat. Zunächst ein­mal sieht man ein­fach nur etwas. Wenn wir etwas erken­nen, ver­lei­hen wir dem Gese­he­hen eine Bedeu­tung. Wir kön­nen aber nur Bedeu­tun­gen ver­tei­len, die wir schon ken­nen. Und dann fal­len wir eben auf sol­che „Trig­ger“ her­ein wie: Kör­per­ach­se weg­ge­dreht, nach oben geguckt » … Fällt Ihnen eine mög­li­che Bedeu­tung ein?

Wenn wir etwas über ande­re sagen, sagen wir meis­tens (auch) etwas über uns selbst. Auch das sind also immer gute ana­ly­ti­sche Fragen:

  • Was habe ich hier ggf. über mich selbst gesagt, indem ich über einen ande­ren Men­schen das und das gesagt habe?
  • Was hat mein Gegen­über ggf. gera­de über sich selbst gesagt?

Wenn man Lügen erken­nen möch­te – oder all­ge­mei­ner: wenn man erken­nen möch­te, ob jemand inner­lich abweicht von dem, was er sagt – dann braucht man als ers­tes eine Ver­gleichs­ba­sis. Man muss wis­sen, wie die­se Per­son nor­ma­ler­wei­se reagiert. Erst dann kann man Abwei­chun­gen über­haupt erst ver­su­chen, sinn­voll ein­zu­ord­nen. Alles ande­re ist ein Rate­spiel, das sich nur des­halb so über­zeu­gend anfühlt, weil unser Gehirn Mus­ter liebt — und zur Anwen­dung bringt, was es schon „weiß“, also schon öfter gese­hen hat und hin­sicht­lich sei­ner Bedeu­tung inter­pre­tie­ren zu kön­nen glaubt.

Der ers­te Schritt ist daher nicht Inter­pre­ta­ti­on, son­dern Beob­ach­tungs­hand­werk: Es geht dar­um, eine Basis­li­nie her­zu­stel­len. Basis­li­nie heißt: Ich ler­ne das Gegen­über ken­nen. Ich samm­le Beob­ach­tun­gen. Nicht im Sin­ne miss­trau­en­der Beob­ach­tung, son­dern im Sin­ne sach­lich-neu­tra­ler Prä­zi­si­on bei der Beob­ach­tung. Man braucht eine Null-Linie, bevor man Abwei­chun­gen erken­nen kann.

Was heißt das konkret?

Ich schaue mir an, wie die Per­son mit Blick­kon­takt umgeht. Sucht sie Blick­kon­takt? Mei­det sie ihn mehr oder min­der grund­sätz­lich? Hält sie ihn lan­ge? Blin­zelt sie viel?

Ich schaue zudem, wie viel die Per­son ges­ti­ku­liert — viel oder wenig, rhyth­misch oder hek­tisch, spar­sam oder ausladend.

Ich ach­te auf die Sprech­ge­schwin­dig­keit: Spricht mein Gegen­über schnell oder lang­sam, unre­gel­mä­ßig oder gleichmäßig?

Ich beob­ach­te des Wei­te­ren, wie die Per­son auf offe­ne Fra­gen reagiert: wird sie aus­führ­lich, bleibt sie knapp, schweift sie ab?

Ich beob­ach­te, wie sie auf kon­fron­ta­ti­ve Fra­gen reagiert: wird sie still, wird sie schnel­ler, wird sie aggres­si­ver, wird sie überfreundlich?

Und ich sehe mir an, wie sie Emo­tio­nen regu­liert. Geht sie sicht­bar hoch und run­ter oder bleibt sie eher ruhig und stabil?

Die­se Din­ge sind zunächst kei­ne „Anzei­chen“ für Wahr­heit oder Lüge. Es sind erst ein­mal nur „Daten“. Was ich beob­ach­te, ist erst ein­mal nur die Beschrei­bung einer Grund­li­nie. Die Basis­li­nie ist der Ver­gleichs­wert. Wer ohne Basis­li­nie deu­tet, tut so, als hät­te er ein Mess­ge­rät – dabei hat er nur ein höchst sub­jek­ti­ves Gefühl, und damit sagt er, wie bereits deut­lich gemacht, mehr über sich selbst als über andere.

Sobald ich eine Ver­gleichs­grund­la­ge habe, kann ich anfan­gen zu sor­tie­ren. Was ist nor­mal bei die­ser Per­son? Was ist eine Abwei­chung? In wel­chem Kon­text tritt die Abwei­chung auf? Was fällt zeit­lich zusammen?

Damit sind wir bei einem Punkt, der banal klingt, aber in der Pra­xis alles ent­schei­det: Nicht ein ein­zel­nes Signal ist ent­schei­dend, son­dern Häu­fung und Koin­zi­denz. Es geht um Mus­ter, nicht um ein­zel­ne Anzei­chen. Ein­zel­ne Anzei­chen sind Fut­ter für Projektionen.

Fun­dier­te Annah­men beru­hen vor allem auf dem, was man erkennt — und erken­nen kann man nur Unter­schie­de. Beob­ach­te­te oder aus Gesprä­chen erschlos­se­ne Mus­ter im Ver­gleich zur vor­her fest­ge­stell­ten Basis­li­nie sind das Mate­ri­al für Annahmen.

Auf der ver­ba­len Ebe­ne zeigt sich die­ses Prin­zip beson­ders deut­lich: Die Wahr­heit muss nie­man­den über­zeu­gen. Sie ist oft sim­pel und muss sich nicht erklä­ren. Sie ist nicht dar­auf ange­wie­sen, Zustim­mung zu erzeu­gen. Die Unwahr­heit dage­gen ist kogni­tiv auf­wen­di­ger. Sie kos­tet mehr Arbeit. Und weil sie unsi­che­rer ist, ver­sucht sie, das Gegen­über zu gewin­nen. Sie macht „Wer­bung“.

Die­se „Wer­be­en­er­gie“ zeigt sich häu­fig in der Ant­wort­struk­tur: Es wird wie­der­holt. Es wird beson­ders inten­siv betont. Es wird mit Nach­druck gear­bei­tet. Es wird über­ra­schend viel Blick­kon­takt „her­ge­stellt“. Es wird dop­pelt und drei­fach erzählt. Es wird regel­recht absicht­lich ins Detail gegan­gen. Es ent­steht ein gewis­ser „Über­zeu­gungs­druck“. Und nicht sel­ten wird eine direk­te Fra­ge nicht direkt beant­wor­tet, son­dern zurück­ge­wor­fen, hin­ter­fragt, mora­lisch gerahmt: „War­um fragst du mich das?“ und etwas spä­ter: „War­um aus­ge­rech­net jetzt?“

Sol­che Mus­ter kön­nen Hin­wei­se für „kogni­ti­ven Auf­wand“ sein. Sie „bewei­sen“ nichts, und schon gar kei­ne Lüge, son­dern zei­gen an: Da wird ggf. „gear­bei­tet“. Da wird womög­lich „kon­trol­liert“.

Aber: Das gilt annä­he­rungs­wei­se nur für Men­schen, die sich nicht auf Lügen vor­be­rei­ten, die also „kei­ne Ahnung“ haben. Gut vor­be­rei­te­te Lügen sind kogni­tiv oft weni­ger belas­tend als die spon­ta­ne Wahr­heit. Inso­fern bleibt, was wir hier schrei­ben, immer rela­tiv. Hin­zu kommt: Ehr­li­che Men­schen zei­gen unter Druck oft jene Mus­ter, die wir mit Lügen asso­zi­ie­ren. Manch­mal ist es also nur der Druck, der das ent­spre­chen­de Ver­hal­ten aus­löst. Und: Man­che Men­schen erzäh­len auch wahr­heits­ge­mäß red­un­dant, wer­bend und detail­reich. In die­sen Fäl­len han­delt es sich um ein Per­sön­lich­keits­merk­mal, nicht um den „kogni­ti­ven Auf­wand“, der mit Lügen ver­bun­den ist.

Selbst erfah­re­ne Ver­neh­mer oder Ver­hand­ler kom­men nie auf ein „abso­lut siche­res“ Niveau, wenn es um das Erken­nen von Lügen geht. Sie kom­men zwar deut­lich über Zufalls­ni­veau, aber wirk­lich sicher kön­nen sich auch Pro­fis nie sein.

Ein Aspekt, der sich beim Erken­nen von „Hin­weis­rei­zen“ als hilf­reich erwie­sen hat, ist Unsi­cher­heit. Die­se Eigen­schaft wird in der Regel von Betrof­fe­nen und ihren Gesprächs­part­nern nicht als posi­ti­ves Merk­mal ange­se­hen, aber einen ent­schei­den­den Vor­teil hat die Eigen­schaft: Unsi­che­re Men­schen sind die bes­se­ren Beob­ach­ter, sie erken­nen Lügen mit einer höhe­ren Wahr­schein­lich­keit als selbst­si­che­re Menschen.

Ohne Basis­li­nie ist, wie gesagt, jede Deu­tung wacke­lig. Man­che Men­schen sind immer wort­reich. Man­che reden grund­sätz­lich in Details. Man­che beto­nen stän­dig. Der Punkt ist also nicht, etwa einen „Wort­reich­tum“ zu erken­nen. Der Punkt ist, Abwei­chun­gen festzustellen.

Auf der kör­per­sprach­li­chen Ebe­ne gilt das­sel­be – nur sicht­ba­rer. Es geht um Auf­fäl­lig­kei­ten im zeit­li­chen Zusam­men­hang. Rück­zug. Kör­per­ach­se ver­schlie­ßen. Blick­kon­takt abbre­chen. Augen gehen hoch. Eine Pau­se. Berüh­run­gen im Gesicht oder am Hals. Rei­ben der Hän­de auf den Ober­schen­keln. Abstand ver­grö­ßern. Arme ver­schrän­ken. Abwenden.

Wenn meh­re­re sol­cher Signa­le zusam­men­fal­len, kann das bedeu­ten: Die Per­son muss über­le­gen und schützt sich zugleich. Kogni­ti­ve Akti­vi­tät plus Rück­zug ist häu­fig ein Hin­weis auf inne­ren Stress. Aber auch das ist kein direk­ter „Lügen­be­weis“. Es ist Irri­ta­ti­on. Es ist Abwei­chung. Und Abwei­chung ist eine Ein­la­dung zur Nach­fra­ge, nicht zur Dia­gno­se. Wer an die­ser Stel­le „ent­lar­ven“ will, zer­stört das Gespräch – und bekommt danach nur noch bes­se­re Masken.

Das Rezept heißt: Offen blei­ben, (noch) nicht den eige­nen Annah­men fol­gen, Fra­gen stellen.

Dann kommt die Ebe­ne, die vie­le fas­zi­niert: Mikro­ex­pres­sio­nen, die fei­nen Anzei­chen unter der kom­mu­ni­ka­ti­ven Ober­flä­che. Mikro­ex­pres­sio­nen sind kur­ze mimi­sche Signa­le, oft schwer sicht­bar, häu­fig nur bei einer gewis­sen räum­li­chen Nähe erkenn­bar. Man braucht Übung und Zeit. Man braucht die Fähig­keit, Mikro­ex­pres­sio­nen im Kon­text zu sehen. Und wie­der: die Basislinie.

Ein Bei­spiel: Man­che Gefüh­le, die im All­tag nor­ma­ler­wei­se unter­drückt bzw. „gede­ckelt“ wer­den, zei­gen sich gera­de in der Mund­par­tie, z.B. lan­ge ange­stau­te Wut. Nicht explo­si­ve Wut, die sich äußert, son­dern Wut, die sich nicht ent­la­den konn­te. Wut, die nicht zur Hand­lung wer­den durf­te. Wut, die geschei­tert ist. Wut, die in Frust über­ge­gan­gen ist. Durch­ge­glüh­te Wut.

Die­se Wut sieht man oft als kurz­zei­ti­ge Ver­fes­ti­gung um die Mund­par­tie, als kurz­zei­tig fest­ge­fah­re­ne Mimik, bei­spiels­wei­se durch kur­zes Zusam­men­zie­hen der Ober­lip­pe oder einem Her­un­ter­zie­hen der Mund­win­kel bei gleich­zei­ti­ger Ver­fes­ti­gung der Ober­lip­pe. Wenn das in genau dem Moment auf­taucht, in dem von einer bestimm­ten Per­son gespro­chen wird oder von einem bestimm­ten Kon­flikt, dann ist das noch kein „Beweis“, aber es ist ein kla­rer Hin­weis: Da liegt etwas, das nicht gesagt wird, das aber mit ver­gleichs­wei­se star­ken Emo­tio­nen ein­her­geht oder ein­her­ge­gan­gen ist, die sich aber nicht mehr direkt, son­dern gleich­sam als „Echo“, als „Kon­den­sat“ äußern — in die­sem Fall „gefro­re­ne“, sprich: hilf­los gewor­de­ne, ver­dräng­te und dem­entspre­chend „kon­ser­vier­te“ Wut.

Und dann kommt die eigent­li­che Kunst: nicht inter­pre­tie­ren, son­dern Fra­gen stel­len. Nicht mit dem Ges­tus des Ermitt­lers, son­dern mit dem Hand­werk der Gesprächs­füh­rung. „Wor­an den­ken Sie gera­de?“ (Nach­fra­ge) oder „Darf ich ein­mal eine direk­te Fra­ge stel­len? … Sind Sie wütend auf die Per­son?“ (Ver­ba­li­sie­rung) oder direk­ter — aber Vor­sicht, hier steckt schon viel Inter­pre­ta­ti­on drin, so eine Fra­ge kann also ggf. kon­fron­ta­tiv wir­ken: „Füh­len Sie sich manch­mal hilflos?“

So erhält man wei­te­re und vor allem „sau­be­re“ Daten. „Sau­ber“ meint in die­sem Zusam­men­hang: arm an Ver­fär­bun­gen oder Ver­zer­run­gen durch Projektionen.

Mikro­ex­pres­sio­nen sind als Signal für wei­te­re Nach­fra­gen zu nut­zen. Es geht nicht dar­um, Men­schen zu „ent­lar­ven“.

  • Erst Basis­li­nie, dann Abweichung.
  • Erst Mus­ter, dann Hypothese.
  • Erst Annah­me, dann Nachfrage.

Wer Mikro­ex­pres­sio­nen ohne Basis­li­nie „liest“, ist schnell bei sich selbst: Man glaubt, etwas zu sehen, aber man sieht nur den eige­nen Ver­dacht und schafft sich damit den beschränk­ten Hori­zont einer selbst­er­fül­len­den Pro­phe­zei­ung — ich sehe nur, was ich sehen „woll­te“ (oder „konn­te“), aller­dings ohne dass mir das bewusst gewe­sen wäre; ich den­ke nur, was ich ohne­hin schon „wuss­te“, nur dass ich eben genau das nicht mer­ke, son­dern mir nur umso siche­rer bin. Das ist ein in der Kom­mu­ni­ka­ti­on eben­so häu­fi­ger (weil „auto­ma­ti­scher“) wie unan­ge­neh­mer Mecha­nis­mus, mit dem man, eben auf­grund sei­ner Unbe­wusst­heit, nur schwer umge­hen kann.

Einer der unan­ge­nehms­ten Gesprächs­part­ner bleibt ein Mensch mit stark nar­ziss­ti­schen Zügen, der auf sei­ne eige­nen Pro­jek­tio­nen her­ein­fällt und sich des­halb sei­ner Mei­nun­gen über ande­re Men­schen umso siche­rer ist und dies auch kund­tut — und jede mög­li­che Kri­tik sofort mit „pro­phy­lak­ti­scher Eska­la­ti­on“ bedroht. So ein Mensch hat qua­si immer Recht. Und wenn er nicht Recht hat, blitzt es. Beson­ders unan­ge­nehm wird es, wenn die­se Per­son eine mir vor­ge­or­de­ne­te Füh­rungs­po­si­ti­on inne­hat oder man sich aus ande­ren Grün­den im Nah­be­reich einer sol­chen Per­son befindet.

Wer Mikro­ex­pres­sio­nen mit Basis­li­nie und Kon­text beob­ach­tet, hat einen Vor­teil: Er kann frü­her mer­ken, dass im Gespräch etwas abweicht. Dass Emo­tio­nen ggf. „gegen­läu­fig“ sind, also nicht mit dem über­ein­stim­men, was gesagt wird. Man kann dann ziel­ge­nau­er nach­fra­gen und sich ein genaue­res Bild machen.

Jörg Hei­dig

PS: Das — wenig sub­ti­le 😉 — Bei­trags­bild wur­de mit Hil­fe einer künst­li­chen Intel­li­genz erstellt.

Von Jörg Heidig

Dr. Jörg Heidig, Jahrgang 1974, ist Organisationspsychologe, spezialisiert vor allem auf Einsatzorganisationen (Feuerwehr: www.feuerwehrcoach.org, Rettungsdienst, Polizei) und weitere Organisationsformen, die unter 24-Stunden-Bedingungen funktionieren müssen (bspw. Krankenhäuser, Pflegeheime, viele Fabriken). Er war mehrere Jahre im Auslandseinsatz auf dem Balkan und hat Ende der 90er Jahre in Görlitz bei Herbert Bock (https://de.wikipedia.org/wiki/Herbert_Bock) Kommunikationspsychologie studiert. Er schreibt regelmäßig über seine Arbeit (www.prozesspsychologen.de/blog/) und hat eine Reihe von Büchern veröffentlicht, darunter u.a. "Gesprächsführung im Jobcenter" oder "Die Kultur der Hinterfragung: Die Dekadenz unserer Kommunikation und ihre Folgen" (gemeinsam mit Dr. Benjamin Zips: www.kulturderhinterfragung.de). Dr. Heidig lebt in der Lausitz und begleitet den Strukturwandel in seiner Heimat gemeinsam mit Stefan Bischoff von MAS Partners mit dem Lausitz-Monitor, einer regelmäßig stattfindenden Bevölkerungsbefragung (www.lausitz-monitor.de). In jüngster Zeit hat Jörg Heidig gemeinsam mit Viktoria Klemm und ihrem Team im Landkreis Görlitz einen Jugendhilfe-Träger aufgebaut. Dr. Heidig spricht neben seiner Muttersprache fließend Englisch und Serbokroatisch sowie etwas Russisch. Er ist häufig an der Landesfeuerwehrschule des Freistaates Sachsen in Nardt tätig und hat viele Jahre Vorlesungen und Seminare an verschiedenen Universitäten und Hochschulen gehalten, darunter an der Hochschule der Sächsischen Polizei und an der Dresden International University. Sie erreichen Dr. Heidig unter der Rufnummer 0174 68 55 023 sowie per Mail unter heidig@prozesspsychologen.de.