Motivation und Führung, Teil 2: „weich“ versus „hart“?

Wenn von Füh­rung und Moti­va­ti­on die Rede ist, tei­len sich die Dis­kus­si­ons­teil­neh­mer oft in zwei gro­ße Lager – die Ver­tre­ter des „har­ten“ Wegs und die Befür­wor­ter der „wei­chen“ Sti­le. Ins­be­son­de­re Letz­te­re kön­nen für ihre Sicht­wei­se auch zahl­rei­che Argu­men­te aus der For­schung anfüh­ren. Gegen­sei­tig wer­fen sich bei­de Sei­ten vor, den „Kern der Sache“ nicht ver­stan­den zu haben:

  1. Die Ver­tre­ter des „har­ten“ Füh­rungs­ver­ständ­nis­ses wer­fen der ande­ren Sei­te vor, dass ihre Füh­rungs­pra­xis in Basis­de­mo­kra­tie und Pro­fil­lo­sig­keit ver­san­det.
  2. Anders­her­um unter­stel­len die Befür­wor­ter der „wei­chen“ Art und Wei­se der Füh­rung den „hart“ Argu­men­tie­ren­den, mit Auto­ri­tät letzt­lich nur Anpas­sung zu errei­chen, aber nicht Moti­va­ti­on, Betei­li­gung und Ide­en zu för­dern.
Die beiden Parteien in vielen Diskussionen über Führung, jeweils aus der Sicht der anderen
Die bei­den Par­tei­en in vie­len Dis­kus­sio­nen über Füh­rung, jeweils aus der Sicht der ande­ren

Lässt man die Dis­kus­si­on um Vor- und Nach­tei­le des „har­ten“ bzw. des „wei­chen“ Füh­rungs­ver­ständ­nis­ses ein­mal bei­sei­te, ent­deckt man schnell, dass bei­de Sei­ten etwas für sich haben. Der eher „wei­che“ Bereich ist in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten gut erforscht wor­den, um im Anschluss wer­den eini­ge der zen­tra­len Kon­zep­te und Metho­den vor­ge­stellt. Der „har­te“ Bereich ist in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten häu­fi­ger in Bezug auf sei­ne nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen unter­sucht wor­den. Zwei­fels­oh­ne hat der „alte Kapi­tän“ als ein­sa­mer Len­ker und Ent­schei­der ange­sichts der Kom­ple­xi­tät des heu­ti­gen Gesche­hens aus­ge­dient. Doch gera­de das deut­sche Mili­tär hat als eine der am stärks­ten aus­ge­präg­ten Hier­ar­chi­en schon vor lan­ger Zeit mit dem Prin­zip „Füh­ren durch Auf­trag“ einen Mecha­nis­mus ent­wi­ckelt, wie Auto­ri­tät und Hier­ar­chie einer­seits mit Ent­schei­dungs­spiel­raum am „aus­füh­ren­den Ende“ der Orga­ni­sa­ti­on ver­bun­den wer­den kön­nen.

Wenn man einmal die Gegensätze beiseite lässt, bieten beide Seiten brauchbare Ansätze.
Wenn man ein­mal die Gegen­sät­ze bei­sei­te lässt, bie­ten bei­de Sei­ten brauch­ba­re Ansät­ze.

Zum The­ma „Füh­ren mit Auf­trag“ und all­ge­mein auch zur Anwend­bar­keit mili­tä­ri­scher Füh­rungs­kom­pe­ten­zen in der Wirt­schaft fin­den Sie hier einen kürz­lich in der „Wirt­schafts­wo­che“ erschie­ne­nen Arti­kel.

Jörg Hei­dig