Die Überschrift habe ich mir bei der kanadischen Post-Rock-Band Godspeed You! Black Emperor geborgt. Im Erscheinungsjahr 1997 klang das Stück mit dem Titel „Dead Flag Blues“ (Titel des Albums: „f#a#∞“) wie der Soundtrack einer düsteren, zwar möglichen, aber doch irgendwie unwahrscheinlichen Zukunft. Heute, ein Vierteljahrhundert später, klingt das für manche unter uns vielleicht weniger nach… „We are trapped in the belly of this horrible machine, and the machine is bleeding to death.“ weiterlesen
Autor: Jörg Heidig
Dr. Jörg Heidig, Jahrgang 1974, ist Organisationspsychologe, spezialisiert vor allem auf Einsatzorganisationen (Feuerwehr: www.feuerwehrcoach.org, Rettungsdienst, Polizei) und weitere Organisationsformen, die unter 24-Stunden-Bedingungen funktionieren müssen (bspw. Krankenhäuser, Pflegeheime, viele Fabriken). Er war mehrere Jahre im Auslandseinsatz auf dem Balkan und hat Ende der 90er Jahre in Görlitz bei Herbert Bock (https://de.wikipedia.org/wiki/Herbert_Bock) Kommunikationspsychologie studiert. Er schreibt regelmäßig über seine Arbeit (www.prozesspsychologen.de/blog/) und hat eine Reihe von Büchern veröffentlicht, darunter u.a. "Gesprächsführung im Jobcenter" oder "Die Kultur der Hinterfragung: Die Dekadenz unserer Kommunikation und ihre Folgen" (gemeinsam mit Dr. Benjamin Zips: www.kulturderhinterfragung.de). Dr. Heidig lebt in der Lausitz und begleitet den Strukturwandel in seiner Heimat gemeinsam mit Stefan Bischoff von MAS Partners mit dem Lausitz-Monitor, einer regelmäßig stattfindenden Bevölkerungsbefragung (www.lausitz-monitor.de). In jüngster Zeit hat Jörg Heidig gemeinsam mit Viktoria Klemm und ihrem Team im Landkreis Görlitz einen Jugendhilfe-Träger aufgebaut. Dr. Heidig spricht neben seiner Muttersprache fließend Englisch und Serbokroatisch sowie etwas Russisch. Er ist häufig an der Landesfeuerwehrschule des Freistaates Sachsen in Nardt tätig und hat viele Jahre Vorlesungen und Seminare an verschiedenen Universitäten und Hochschulen gehalten, darunter an der Hochschule der Sächsischen Polizei und an der Dresden International University. Sie erreichen Dr. Heidig unter der Rufnummer 0174 68 55 023 sowie per Mail unter heidig@prozesspsychologen.de.
Nähe und Distanz in der Beratungsbeziehung
Jede Beratung ist ein Balanceakt. Zwischen Nähe und Distanz. Zwischen Vertrauen und professioneller Klarheit. Zwischen Unterstützung und der Gefahr, Verantwortung zu stehlen. Wer berät, begleitet Menschen in einer schwierigen Phase. Das kann emotional sein, intensiv, bewegend. Doch es darf nicht das werden, was man „privat“ nennt. Die professionelle Distanz ist nicht nur eine Schutzmaßnahme für… Nähe und Distanz in der Beratungsbeziehung weiterlesen
Der Versuch eines kompakten Denkmodells über Organisationen
In diesem Text wird versucht, ein „Denkmodell“ über Organisationen zu formulieren, und zwar ausgehend vom Zweck einer Organisation. Der Beitrag ist Teil der Texte zu meiner Vorlesung zum Thema Organisationspsychologie an der Dresden International University. Ausgangspunkt des Textes ist ein eher einfaches Beispiel, das wir auch schon an anderer Stelle als Grundlage für die ersten… Der Versuch eines kompakten Denkmodells über Organisationen weiterlesen
Zukunft braucht Einsatz: Verbindlichkeit, Sicherheit, Effizienz — und das Ende der Wunschkonzerte
Neue Realität, neue Prioritäten Die Zeiten der Selbstverständlichkeiten sind vorbei. In den vergangenen Jahren galt es in vielen Branchen als Standard, dass Unternehmen sich den Erwartungen der Arbeitnehmer anpassen mussten – nicht umgekehrt. Mehr Flexibilität, bessere Bezahlung, mehr Freizeit, mehr Homeoffice, mehr Wohlfühlkultur. Doch die wirtschaftliche Realität ändert sich. Unternehmen können nicht unbegrenzt in eine… Zukunft braucht Einsatz: Verbindlichkeit, Sicherheit, Effizienz — und das Ende der Wunschkonzerte weiterlesen
Ein deutsches Dilemma
Gasmann Klehr Am 27. Januar vor achtzig Jahren wurde das Konzentrationslager Auschwitz durch die Rote Armee befreit. Befreit wurden nur jene Häftlinge, die nicht auf Todesmärsche nach Groß-Rosen geschickt oder mit Zügen in weiter westlich gelegene Lager abtransportiert worden waren. Die Evakuierung hatte etwa eine Woche vor der Befreiung stattgefunden. In einer Dokumentation aus dem Jahr… Ein deutsches Dilemma weiterlesen
Wahrheit als Prozess
Wahrheit wirkt auf den ersten Blick wie ein klares Konzept: Aussagen sind entweder wahr oder falsch. Doch sobald man dahinter schaut, wird deutlich, dass der Begriff der „Wahrheit“ eben gar nicht so klar ist, wie es zunächst anmuten mag. Logik hilft uns dabei, Aussagen aus anderen Aussagen abzuleiten. Sie gibt uns Regeln vor, wie wir von… Wahrheit als Prozess weiterlesen
Neue Verachtung
Wir sind in eine Zeit gezwungen, in der wir uns mit dem Verfall des Vertrauten beschäftigen müssen. Das ist im Prinzip immer so, aber vielleicht erkennen wir während eines stillen Blicks zurück, dass sich momentan sehr viel sehr schnell ändert — und während die einen sagen, dass wir die Welt nicht schnell genug verändern können,… Neue Verachtung weiterlesen
Der Zeitpunkt gibt oft den Ausschlag über den Erfolg einer Intervention
In der vergangenen Woche war ich zu Gast in zwei verschiedenen Feuerwehren. Die Ausgangslagen waren ähnlich (zerstrittene Wehrleitungen), und meine Vorgehensweise war in beiden Fällen gleich: Einzelgespräche mit allen Beteiligten und danach Durchführung einer Aussprache mit allen Beteiligten. Zu Beginn der Aussprache habe ich jeweils meine Analyse der Situation präsentiert. In beiden Fällen haben alle… Der Zeitpunkt gibt oft den Ausschlag über den Erfolg einer Intervention weiterlesen
Pflichtverwahrlosung
Beim Begriff der „Pflichtverwahrlosung“ handelt es sich vermutlich um ein im deutschen Sprachgebrauch neues Wort. Zumindest kannte Google, Stand: 30.12.2024, den Begriff nicht. Wahrscheinlich kommt der amerikanische Begriff „dereliction of duty“ nach H.R. McMaster dem, was hier beschrieben werden soll, am nächsten. Allerdings wird die „Pflichtverwahrlosung“ hier nicht von McMasters Begriff abgeleitet, sondern resultiert aus… Pflichtverwahrlosung weiterlesen
Narziß und Jammerlappen
Was in Magdeburg passiert ist, ist mehr als schrecklich. Die Tat ist entsetzlich, abscheulich, mit Worten nicht zu beschreiben. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es den Menschen geht, die dieser Terrorist verletzt hat, oder wie es denen geht, deren Angehörige er getötet hat.
Oft bleibt man angesichts solcher Taten mit dem Eindruck des Unbegreiflichen zurück. Dabei sind es in vielen Fällen die entsetzliche Tat selbst und ihre Folgen, die unbegreiflich sind; die Täter jedoch und ihre Wege zur Täterschaft sind oft gar nicht so unbegreiflich. Eher ist es so, dass sich die Entsetzlichkeit der Tat auf den Täter überträgt und ihm eine Aura des Schreckens verleiht. So erklärt es sich, warum diejenigen, die darüber schreiben, sich vor allem mit der Täterseite und der Frage, wie es dazu kommen konnte, beschäftigen.
Dieser Text will nicht die Entsetzlichkeit der Tat, sondern vielmehr die „Oberflächlichkeit“ der Geschichte des Täters erklären — was es für die Opfer und ihre Angehörigen umso schwerer macht. Es geht darum, dem Täter, nicht der Tat selbst und ihrer Folgen, die Unbegreiflichkeit zu nehmen.
Wie funktioniert der „interdisziplinäre Erstkontakt“?
Es handelt sich hier auf den ersten Blick um eine sehr spezielle Frage — gestellt in meiner Organisationspsychologie-Vorlesung im Masterstudiengang Kommunikationspsychologie an der Dresden International University, die ich heuer nach 39(!) Semestern, während der ich an der DIU Lehraufträge hatte, zum letzten Mal halte. Als ich die Zahl 39 realisierte, kam ich zu dem Schluss, dass… Wie funktioniert der „interdisziplinäre Erstkontakt“? weiterlesen
Oberlausitzer Wertefragen (Langfassung): Das Dilemma zwischen Demokratie und Skepsis
Unsere Erhebung „Oberlausitzer Wertefragen“ zeichnet ein facettenreiches, aus manchem Blickwinkel sicher auch besorgniserregendes Bild der Haltungen zur Demokratie in der Oberlausitzer Bevölkerung. Dieser Text ist die Langfassung der Darstellung der Ergebnisse unserer Studie auf diesem Blog. Sollten Sie sich eher für eine Kurzfassung interessieren, sind Sie hier richtig. Die für die Oberlausitz repräsentative Studie haben… Oberlausitzer Wertefragen (Langfassung): Das Dilemma zwischen Demokratie und Skepsis weiterlesen
Oberlausitzer Wertefragen (Kurzfassung): Die Oberlausitzer und die Demokratie
Wir haben die Oberlausitzer Bevölkerung gefragt, ob es sich bei der Demokratie um eine gute oder schlechte Regierungsform handelt. 68 Prozent der Oberlausitzer halten die Demokratie für eine gute Regierungsform (Befragungszeitpunkt: erstes Quartal 2023). Das klingt doch erst einmal nicht schlecht, könnte man denken — immerhin sind das zwei Drittel. Aber wir sind nicht die Einzigen,… Oberlausitzer Wertefragen (Kurzfassung): Die Oberlausitzer und die Demokratie weiterlesen
Neue Monster
Erstes Beispiel: Ein junger Polizist ist eine Hausnummer in einer bestimmten Sportart. Er kann sich sogar Chancen auf einen der vorderen Plätze bei den nächsten Europameisterschaften ausrechnen. Und weil er in den sozialen Netzwerken als Leistungssportler bekannt ist und gern Fotos von sich postet, hat er auch eine derart hohe Anzahl Follower, dass andere Sportler… Neue Monster weiterlesen
Moralische Erschöpfung
Teil 1: Moralische Verletzung So weit ich weiß, gibt es den Begriff der moralischen Erschöpfung noch nicht. Aber der Begriff beschreibt ein derzeit häufig zu beobachtendes Phänomen. Was es bereits gibt, ist der Begriff der „moralischen Verletzung“ (moral injury). Moralische Verletzung tritt beispielsweise bei Einsatzkräften in Auslandseinsätzen auf, wenn sie andauernd menschliches Leid beobachten, aber… Moralische Erschöpfung weiterlesen
Brauchen andere Zeiten auch andere Kommunikationstheorien?
Führt unser Wissen über Kommunikation tatsächlich noch zu einer „besseren Praxis“ oder zu „mehr Gelingen“? Manchmal frage mich, ob unsere Modellvorstellungen von Kommunikation tatsächlich noch „angemessen“ oder „ausreichend“ sind. Eine gute Theorie soll ja die Praxis erhellen, sie soll beschreiben, erklären — und sie soll Vorhersagen ermöglichen. Zum Beispiel soll sie begründete Unterscheidungen zwischen dem… Brauchen andere Zeiten auch andere Kommunikationstheorien? weiterlesen
Deeskalation
Über gute Kommunikation kann man nicht reden, gute Kommunikation muss man machen. Wie geht das? Über Kommunikation werden viele Worte gemacht. Aber anstatt über gelingende Kommunikation zu reden, sollte man lieber ganz praktisch dafür sorgen, dass Kommunikation gelingt. Klingt simpel, ist es aber nicht. Wenn es so einfach wäre, wie manche Bücher über Kommunikation uns weismachen… Deeskalation weiterlesen
Rhetorik und Präsentation, Teil 1
Wie man in den Wald hineinruft… Den Rhetorik-Lehrer Enkelmann habe ich einmal sagen hören, das erste Gesetz der Rhetorik laute: „Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus!“ Dieses Sprichwort mag jeder Mensch im deutschen Sprachraum schon oft gehört haben, und im Grunde erscheint seine Aussage so banal, dass sie nicht unbedingt… Rhetorik und Präsentation, Teil 1 weiterlesen
Über den praktischen Umgang mit Überlastungsanzeigen
Bestandteile einer Überlastungsanzeige In einer Überlastungsanzeige sollte zunächst stehen, wie und in welchen Situationen es zu einer Überlastung gekommen ist. Es sollte deutlich werden, was der Unterschied zu einer „normalen Arbeitssituation“ ist. Dies sollte idealerweise entweder durch Zahlen (bspw. Stückzahlen, Anzahl von Vorgängen, Verdichtung von Aufgaben pro Zeiteinheit o.ä.) oder/und durch konkrete Beispiele belegt werden.… Über den praktischen Umgang mit Überlastungsanzeigen weiterlesen
Toleranzaktivismus: Was die „woke“ Bewegung mit Narzissmus und Dekadenz zu tun hat
Man stelle sich vor, in einem totalitär regierten Land gelte eine Auswahl erwünschter Frisuren. Falls man mit einer unerwünschten Frisur nach Hause käme, würde die Parteisekretärin des Wohnblocks klingeln und fragen, ob sie helfen kann. Angenommen, man würde solcherlei „Hilfe“ partout nicht annehmen wollen — dann käme man besuchsweise über das Wochenende in eine Einrichtung,… Toleranzaktivismus: Was die „woke“ Bewegung mit Narzissmus und Dekadenz zu tun hat weiterlesen
Wie geht es mit unseren Organisationen weiter? „Safe space“ als Abwehrmechanismus
Wenn meine Beobachtungen nicht falsch sind, dann steigt nicht nur die Zahl der Menschen, die ihren Verbleib bei einem Arbeitgeber hinterfragen, sondern auch die Intensität der Hinterfragung. Man fragt sich vielleicht, ob die eigenen Erwartungen erfüllt werden, ob der Arbeitgeber der „richtige“ ist, ob die Werte des Arbeitgebers zu den eigenen Werten passen o.ä. Das… Wie geht es mit unseren Organisationen weiter? „Safe space“ als Abwehrmechanismus weiterlesen
